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GRIDDIFY WISSEN / QUELLENCHECK

Mehr zeigen.
Was bringt das wirklich?

Scroll-Videos, 3D und Conversion: Was Studien zeigen

Die kurze Antwort

Produktdarstellung kann Kaufentscheidungen unterstützen. Die Quellen auf dieser Seite untersuchen jedoch unterschiedliche Dinge: Kaufabsicht nach Videos und drehbaren Produkten, Händlerzahlen zu 3D-Modellen, Besitzgefühl und Käufe im AR-Kontext. Sie belegen keinen pauschalen Conversion-Zuwachs durch Scroll-Videos oder Griddify.

Unsere Schlussfolgerung: Zeige entscheidende Produkteigenschaften anschaulich – und prüfe, ob daraus in deinem Shop mehr Käufe entstehen.

01 / PRODUKTVIDEORandomisiertes Experiment

Anwendung zeigen statt nur Aussehen.

Cheng, Shao und Zhang (2022) verglichen zwei 20-Sekunden-Videos eines Wasserkochers. 144 Teilnehmende beendeten Experiment 1. Die mittlere Kaufabsicht lag bei 5,43 für das Anwendungsvideo und 4,49 für das Ansichtsvideo (Skala 1–7; p < 0,01).

Kaufabsicht · Mittelwert auf Skala 17
Aussehen zeigen
4,49
Anwendung zeigen
5,43
147

Was dieses Ergebnis bedeutet

Gemessen wurde eine Selbstauskunft, kein Kaufabschluss. Experiment 2 mit Schuhen zeigte bei niedrigen Produktbewertungen keinen signifikanten Unterschied zwischen den Videoarten. Scroll-Steuerung wurde nicht getestet.

Quelle: Cheng, Shao & Zhang (2022). Effect of Product Presentation Videos on Consumers’ Purchase Intention: The Role of Perceived Diagnosticity, Mental Imagery, and Product Rating Frontiers in Psychology, 13:812579. DOI: 10.3389/fpsyg.2022.812579.

02 / DREHBARES PRODUKTKontrolliertes Experiment

Drehen dürfen erhöht die Kaufabsicht.

Kim, Baek und Yoon (2020) zeigten Teilnehmenden dasselbe Produkt einmal als flaches Bild und einmal als um 360 Grad drehbare Darstellung. Die mittlere Kaufabsicht lag bei 5,83 für die drehbare und 4,89 für die flache Darstellung (Skala 1–7).

+19 %
relative Differenz der Kaufabsicht
Experiment · Selbstauskunft, kein Kaufabschluss

Was dieses Ergebnis bedeutet

Die Autoren erklären den Unterschied über stärkere mentale Vorstellung und ein Gefühl von Kontrolle: Wer das Produkt selbst dreht, kann es sich besser als eigenes vorstellen. Gemessen wurde eine Selbstauskunft im Labor, kein Umsatz. Das Ergebnis stützt die Idee eines drehbaren 3D-Modells, nicht eine bestimmte Prozentzahl im Shop.

Quelle: Kim, Baek & Yoon (2020). The effect of 360-degree rotatable product images on purchase intention Journal of Retailing and Consumer Services, 55, 102062.

03 / HÄNDLER-FALLAnbieter-Kundenbericht

Rebecca Minkoff: 3D auf über 50 Produktseiten.

Shopify beschreibt in einer Kundengeschichte den Modehändler Rebecca Minkoff. Nach dem Einbau von 3D-Modellen auf über 50 Produktseiten meldete das Unternehmen: Besucher, die mit einem 3D-Modell interagierten, legten das Produkt 44 % häufiger in den Warenkorb und bestellten 27 % häufiger. Für die AR-Ansicht nennt der Bericht 65 % häufigere Bestellungen.

Warum die Zahl nur ein Hinweis ist

Verglichen wurden Besucher, die das Modell nutzten, mit Besuchern, die es nicht nutzten. Wer ein Produkt aktiv dreht, ist oft schon interessierter. Der Bericht trennt diesen Auswahleffekt nicht vom Effekt des Modells. Er ist damit ein plausibler Händler-Datenpunkt, kein Experiment.

Quelle: Shopify Plus. Rebecca Minkoff — Shopify Plus Customer Story

04 / 3D-ANGABENAnbieterbericht

Was hinter Shopifys „+94 %“ steckt.

Shopify meldete am 11. Mai 2022 einen durchschnittlichen Conversion-Lift von 94 % bei Händlern, die 3D-Inhalte ergänzen. Die Mitteilung erschien zur Einführung von 3D- und AR-Vorschauen in Shop.

+94 %
relativer Conversion-Lift
Shopify-Angabe · kein Griddify-Ergebnis

Die kurze Veröffentlichung nennt keine Stichprobengröße, keinen Beobachtungszeitraum und kein kontrolliertes Versuchsdesign. Sie erlaubt deshalb keine verlässliche Aussage darüber, welcher Anteil des Effekts allein durch 3D entstand oder wie gut er auf andere Shops übertragbar ist.

Prozent ist nicht Prozentpunkt

Rein rechnerisch würde ein relativer Lift von 94 % aus einer angenommenen Conversionrate von 2 % eine Rate von 3,88 % machen: 2 × 1,94. Das ist eine Rechenerklärung, keine Prognose für deinen Shop.

Quelle: Shopify (11.05.2022). Shop adds 3D and augmented reality (AR) previews

Zwei weitere Anbieter-Zahlen

Google schrieb am 28. September 2022, dass Menschen mit 3D-Bildern in der Google-Suche fast 50 % mehr interagieren als mit statischen Bildern. Das ist Interaktion, kein Kauf. Die oft zitierte Angabe, 3D und AR senkten Retouren um bis zu 40 %, finden wir nur über Dritte und nicht in einer offenen Primärquelle. Wir nutzen sie deshalb nicht auf der Startseite.

Quellen: Google (28.09.2022). Search On 2022: Shopping ↗ · AR Insider: Does AR Really Reduce eCommerce Returns?

05 / BESITZGEFÜHLEinordnung aus Studien

Es fühlt sich schon wie meins an.

Psychological Ownership ist das Gefühl, ein Ding gehöre einem schon, bevor man es gekauft hat. Die Forschung dazu bildet eine Kette: Besitz macht ein Ding wertvoller. Anfassen erzeugt Besitzgefühl. Sich das Anfassen vorzustellen wirkt genauso. Am Touchscreen passiert dasselbe. Und Kontrolle über das Produkt erzeugt Nachfrage.

2×
möglicher Wertunterschied durch Besitzgefühl
Becher-Experiment zu echtem Besitz · kein Messwert für Scroll-Videos
  1. Kahneman, Knetsch & Thaler, 1990. Besitzer eines zufällig verteilten Bechers verlangten im Median 7,12 $. Nichtbesitzer wollten rund 3 $ zahlen. Gleicher Becher, Minuten Besitz. Experimental Tests of the Endowment Effect and the Coase Theorem Journal of Political Economy, 98(6).
  2. Peck & Shu, 2009. Wer ein Produkt nur berührt, fühlt mehr Besitz und bewertet es höher. Auch Vorstellungsbilder, die zum Berühren anregen, wirken. The Effect of Mere Touch on Perceived Ownership Journal of Consumer Research, 36(3).
  3. Peck, Barger & Webb, 2013. Sich das Berühren vorzustellen erzeugt so viel Besitzgefühl wie echtes Berühren. Je lebendiger das Bild, desto mehr Gefühl von Kontrolle und Besitz. In search of a surrogate for touch: The effect of haptic imagery on perceived ownership Journal of Consumer Psychology, 23(2).
  4. Brasel & Gips, 2014. Produkte am Touchscreen bedient: mehr Besitzgefühl und höhere Bewertung als mit der Maus. Zwei Laborstudien. Tablets, touchscreens, and touchpads: How varying touch interfaces trigger psychological ownership and endowment Journal of Consumer Psychology, 24(2).
  5. Liu, 2023. Drei Experimente: Touchscreen führt über Kopfbilder zu Besitzgefühl. Das erhöht Zahlungsbereitschaft und Kaufabsicht. How and why a touchscreen interface impacts psychological ownership and its downstream consequences Journal of Retailing and Consumer Services, 70.
  6. Fuchs, Prandelli & Schreier, 2010. Kunden, die mitbestimmen durften, zeigten stärkere Nachfrage für objektiv gleiche Produkte. Der Grund ist Besitzgefühl. The Psychological Effects of Empowerment Strategies on Consumers’ Product Demand Journal of Marketing, 74(1).
  7. Uysal et al., 2026. 482 Personen, Feld- und Laborexperimente: Virtuelle Produktpräsentationen erhöhen die Zahlungsbereitschaft nur, wenn sie interaktiv sind und die Nutzung zeigen. Mechanismus: Besitzgefühl. Virtually mine: Understanding consumer responses to virtual reality product presentations Journal of Retailing, 102(2).

Der Bogen zum Scroll-Video, und seine Grenze

Beim Scroll-Video steuert der Besucher die Bewegung selbst, am Handy mit dem Daumen. Das ist Kontrolle plus ein lebendiges Bild: die zwei Auslöser, die Peck et al. (2013) und Fuchs et al. (2010) beschreiben. Ein normales Video läuft von allein, ein Foto steht still. Keine dieser Studien hat Scroll-Videos gemessen. Die „2ד stammt aus echtem Besitz, nicht aus dem Gefühl davor. Der Bogen ist unsere Einordnung, kein Beleg für einen bestimmten Umsatz-Effekt.

06 / AUGMENTED REALITYEmpirische Handelsdaten

Besonders interessant, wenn Unsicherheit groß ist.

Tan, Chandukala und Reddy (2022) untersuchten AR bei einem internationalen Kosmetikhändler. Die von Kellogg beschriebene Datenbasis umfasst 160.400 Kunden und mehr als 800.000 Sitzungen über 19 Monate.

Die Forschung verbindet AR-Nutzung mit höheren Verkäufen insbesondere bei weniger bekannten Marken, teureren Produkten und Kunden, die im Kanal oder der Kategorie neu sind. Die Autoren interpretieren die Ergebnisse als Hinweis darauf, dass AR kaufbezogene Unsicherheit reduzieren kann.

Die Grenze der Übertragung

Virtuelle Kosmetikanprobe ist etwas anderes als ein drehbares 3D-Modell auf einer Produktseite. Handelsdaten, Kategorie und Nutzungskontext begrenzen die Übertragbarkeit. Daraus lässt sich kein identischer Effekt für jeden 3D-Funnel ableiten.

Quelle: Tan, Chandukala & Reddy (2022). Augmented Reality in Retail and Its Impact on Sales Journal of Marketing, 86(1), 48–66. Datenbasis und Einordnung bei Kellogg Insight ↗

07 / TRANSFER AUF SCROLL-FUNNELSUnsere Einordnung

Was heißt das für Scroll-Videos und 3D?

Die sinnvolle Gestaltungshypothese lautet: Wenn ein Produkt in Bewegung verständlicher wird, sollten Besucher diese Bewegung gut erkunden können. Griddify verbindet dafür die Videoposition mit dem Scroll und lässt 3D-Modelle direkt auf der Seite drehen.

Das ist eine Übertragung auf ein Bedienkonzept. Für den zusätzlichen Effekt der Scroll-Steuerung liefern die oben genannten Quellen keinen direkten Nachweis. Inszenierung sollte eine Produktfrage beantworten: Wie funktioniert es? Wie sieht ein Detail aus? Was verändert sich bei der Anwendung?

Welche Aussage trägt welche Evidenz?
AussageEinordnung
Anwendungsvideo kann Kaufabsicht erhöhenIm beschriebenen Experiment belegt
Drehbare Darstellung kann Kaufabsicht erhöhenIm beschriebenen Experiment belegt
3D-Modelle gehen mit mehr Warenkorb und Bestellungen einherHändlerbericht, Auswahleffekt nicht getrennt
3D-Inhalte gehen mit höherer Conversion einherShopify-Bericht, Methodik offen
Besitzgefühl kann Zahlungsbereitschaft erhöhenIn Experimenten belegt; für Scroll-Videos nicht gemessen
AR kann bei Produktunsicherheit helfenHinweise aus Handelsdaten
Scroll-Steuerung erhöht Käufe um X %Durch diese Quellen nicht belegt
Griddify garantiert mehr VerkäufeKeine solche Aussage ableitbar
08 / VON DER HYPOTHESE ZUM ERGEBNISTestvorschlag

Die entscheidende Zahl kommt aus deinem Shop.

  1. Eine Änderung testen. Etwa Produktfoto gegen erklärende Videosequenz. Angebot, Preis und Traffic möglichst gleich halten.
  2. Zufällig und gleichzeitig vergleichen. Besucher auf Varianten verteilen. Ziel, Laufzeit und Auswertung vorher festlegen.
  3. Käufe als Hauptziel messen. Bestellungen pro zugeordnetem Besucher; zusätzlich Umsatz, Retouren und Ladeverhalten betrachten.
  4. Unsicherheit berichten. Stichprobe und Konfidenzintervall gehören zum Ergebnis. Ein Zwischenstand allein entscheidet keinen Test.

Dies ist eine methodische Empfehlung, keine Behauptung über ein integriertes A/B-Test-Werkzeug. Die Griddify-Auswertung hilft dir, den Funnel-Verlauf zu betrachten; Kaufabschlüsse prüfst du im angebundenen Shop.

Häufige Fragen

Belegen diese Quellen einen Conversion-Lift für Griddify?

Nein. Keine der hier aufgeführten Untersuchungen testet Griddify. Externe Ergebnisse sind eine Grundlage für Gestaltungshypothesen; ihren Effekt im eigenen Shop muss ein kontrollierter Test zeigen.

Sind 3D-Modelle und Augmented Reality dasselbe?

Nein. Ein 3D-Modell lässt sich auf einer Seite räumlich betrachten. Augmented Reality überlagert eine reale Umgebung, etwa ein Kamerabild. Ergebnisse aus virtuellen Anproben lassen sich nicht unverändert auf einen 3D-Viewer übertragen.

Sind Scroll-Videos nachweislich besser als normale Videos?

Die hier ausgewerteten Quellen vergleichen keine Scroll-Steuerung mit einem gewöhnlichen Videoplayer. Deshalb nennen wir dafür keinen prozentualen Conversion-Vorteil.

Die Theorie steht hier.
Das Erlebnis wartet dort.

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